
Mit Kommissar Rex ist eine der wohl bekanntesten Spürnasen der 90er Jahre endlich wieder zurück im Fernsehen. Unser Autor M’chen hat sich die neue Staffel angeschaut und verrät euch in seiner TV-Kritik, ob sich das Einschalten lohnt.
Ein neues Herrchen für Kommissar Rex
Kaum ein anderes Format steht dermaßen für den deutschen Fernsehsender Sat.1 wie „Kommissar Rex“. Damals in den 90er Jahren war die in Zusammenarbeit mit dem ORF entwickelte Krimiserie ein echter Straßenfeger und lockte Woche für Woche Millionen Zuschauer vor die Fernsehbildschirme. Wenig verwunderlich: Die Chemie zwischen den damaligen Hauptdarstellern Tobias Moretti alias Richard Moser, Karl Marcovics alias Bernd Stockinger und dem deutschen Schäferhund Reginald von Ravenhorst alias Rex stimmte und die von Peter Hajek und Peter Moser geschriebenen Geschichten wussten ebenfalls zu überzeugen. Mit dem Ausstieg von Tobias Moretti in Staffel 4 übernahm Gedeon Burkhard die Hauptrolle, ehe dieser in Staffel 6 ebenfalls die Reißleine zog. Es folgten zwar noch weitere Staffeln der Serie, die jedoch sowohl inhaltlich als auch quotentechnisch nicht mehr an den bisherigen Erfolg anknüpfen konnten.
Nach vielen Jahren hatte Sat.1 nun die glorreiche Idee, abermals mit dem ORF zusammenzuarbeiten, um eine weitere Staffel der beliebten Serie an den Start zu bringen. Als ermittelnden Hauptkommissar hat man diesmal Maximilian Brückner verpflichtet, der in der Rolle von Max Steiner an der Seite des namensgebenden Schäferhundes ermittelt. Ebenso wie Tobias Moretti hat Brückner eine Theatervergangenheit, zudem wurde er von Moretti höchstpersönlich unlängst in einem Interview als hervorragende Besetzung gelobt. Doch sind die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt? Zugegeben: Brückner spielt seine Figur innerhalb der neuen Staffel nicht schlecht, aber irgendwie möchte man ihm nicht so recht abnehmen, dass er ein hochrangiger Polizist sein soll – im Vergleich zu ihm war Tobias Moretti ein ganz anderes Kaliber. Stimmig ist hingegen das Zusammenspiel zwischen ihm und seinem tierischen Wegbegleiter, wenngleich ihm die Drehbuchschreiber bereits in den ersten Minuten der ersten Episode ein paar ziemlich bescheuerte Dialoge in den Mund gelegt haben.
Wo ist der Wiener Charme geblieben?
Natürlich ist es immer schwierig, eine Serie aus den 90er Jahren in die Neuzeit zu verlegen. Wie viel Inhalt darf man anpassen, ohne dass der Zuschauer von einem zu modernen Look verstört wird? Die Macher der neuen Kommissar Rex Staffel hatten diesbezüglich offenbar keine Bedenken, zumal sie direkt zum Auftakt moderne Hilfsmittel wie Drohnen zum Einsatz kommen lassen. Zur Erinnerung: Moser & Co verwendeten damals noch klobige Mobiltelefone mit ausziehbarer Antenne und verfolgten Kriminelle am liebsten in wilden Verfolgungsjagden mit dem Auto. In der neuen Season wirkt das gesamte Bild deutlich frischer und zeitgemäßer, wenngleich einige liebgewonnene Elemente nicht fehlen – wie etwa das typische Geräusch der Wiener Polizeisirenen.
Ist die Rückkehr von Kommissar Rex also auf ganzer Linie gelungen? Leider nicht. Fans der Originalserie werden sich vor allem an einem Detail stören: In der gesamten Staffel wird reines Hochdeutsch gesprochen. Der typische Wiener Dialekt-Charme, der in den Episoden mit Moser vor allem in Form von Stockinger zum Vorschein kam und sich auch bei vielen Nebendarstellern wie ein roter Faden durch das Format zog, fehlt hier komplett, wodurch die Serie meiner Meinung nach um ein Stück Nostalgie beraubt wurde – warum genau war nochmal der ORF mit an Bord? Hinzu kommt die Tatsache, dass man viel zu wenig vom schönen Schauplatz Wien zu sehen bekommt. In den ersten Staffeln der Serie waren Moser und sein Team regelmäßig an ikonischen Orten innerhalb Wiens zu sehen: Moser selbst lebte in der Marokkanergasse, besucht wurden aber unter anderem auch der Zentralfriedhof, die Judengasse, die Fillgraderstieg, der legendäre Naschmarkt oder der Wiener Prater. In den neuen Episoden kann man als Zuschauer dankbar sein, dass direkt zum Staffelstart der beleuchtete Stephansdom im Mondschein zu sehen ist – andernfalls hätte man vermutlich gar nicht mitbekommen, dass die Serie überhaupt in Wien spielt. Zudem fehlt der Staffel einfach der typische Wiener Schmäh, den die Serie in ihren Anfangsjahren stets ausgemacht hat. Die kleinen Reibereien zwischen Richie Moser und Stockinger, später auch mit Christian Böck, waren immer wunderbar anzusehen und ein zentrales Element dafür, dass sich das Ermittlerteam schnell in die Herzen der Zuschauer spielen konnte. Die neue Staffel nimmt sich hingegen ein bisschen zu ernst und riskiert somit, als eine weitere klassische Krimiserie abgestempelt zu werden – wenn auch mit einem wirklich gut gecasteten Schäferhund an Bord.
Fazit:
Die Neuauflage von Kommissar Rex ist bei Weitem nicht so schlecht wie alles was nach dem Ausstieg von Gedeon Burkhard über die Bildschirme flimmerte. Sie bietet solide Krimikost, lässt aber zeitgleich einige wichtige Elemente der ersten Staffeln schmerzhaft vermissen. Die neuen Episoden sind ab sofort immer montags um 20:15 Uhr in Sat.1 zu sehen, alternativ dazu sind sowohl die neue Staffel als auch alle bisherigen Staffeln beim Streamingdienst Joyn abrufbar.


