
Am Donnerstag ist in den Kinos der 7. Teil der Scream-Reihe gestartet. Unser Autor M’chen war in der Vorpremiere und verrät euch, warum der neue Film für ihn als waschechten Scream-Fan eine enorme Enttäuschung darstellt.
Ghostface ist wieder da – und mit ihm auch Sidney Prescott
Kaum ein Horrorfilm wurde in den letzten Monaten so sehnsüchtig erwartet wie „Scream 7“. Drei Jahre nach dem 6. Teil kehrt Ghostface zurück, um Jagd auf Sidney Prescoitt (Nevel Campbell) und ihre Tochter Tatum (Isabel May) zu machen.
Nachdem die ursprünglich angedachten Hauptdarstellerinnen Jenny Ortega und Melissa Barrera schon früh aus dem Projekt ausgeschieden sind, haben sich die Macher dazu entschlossen, erneut auf Neve Campbell zu setzen, die dem Scream-Universum eigentlich bereits den Rücken gekehrt hatte. Zusammen mit Kevin Williamson, dem Erfinder des allerersten Scream-Films aus dem Jahr 1996, der diesmal auf dem Regiestuhl Platz nimmt und abermals das Drehbuch verfasste, konnte ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Sollte man zumindest meinen. Denn obwohl Scream 7 in den Sozialen Netzwerken spätestens nach der Veröffentlichung des ersten Trailers immens gehypt wurde und einen ordentlichen ersten Eindruck machte, werden vermutlich selbst Hardcore-Fans des Franchises nach ihrem Kinobesuch überrascht den Saal verlassen. Überrascht davon, wie erschreckend schlecht der Film letztendlich ist. Und das ist noch milde ausgedrückt: Ich persönlich bin sogar der Meinung, dass Scream 7 der bis dato schlechteste Schrei ist – und das will nach dem grausamen 6. Teil was heißen.

Im Trailer sah das alles irgendwie besser aus
Schon die Eröffnungsszene, die in allen Scream-Filmen bisher stets legendär war und den Zuschauer ins Geschehen einführte, ist so unfreiwillig komisch, dass man bereits nach wenigen Minuten hofft, dass die Qualität des restlichen Films schleunigst ansteigt. Zudem sind die beiden Charaktere in der Szene derartig beliebig und austauschbar, dass sie nicht einmal einen Bezug zu Woodsboro oder gar den Hauptprotagonisten haben. Dementsprechend hat der Zuschauer auch zu keinem Zeitpunkt Mitleid mit ihnen, sobald das passiert, was in einem Scream Opening zwangsläufig passieren muss.

Anschließend wechselt die Handlung dann direkt zu Sidney Prescott und ihrer Tochter, die den Zuschauern schnell vorgestellt wird – bisher spielte sie innerhalb der Reihe nämlich keine Rolle. Es folgen unendlich lang wirkende Minuten, in denen einfach nur geredet wird, sodass man denken könnte, man schaut sich gerade eine x-beliebige Episode von Kevin Williamsons Teenie-Serie „Dawsons Creek“ aus den 90er Jahren an. Anschließend folgt dann das übliche Spielchen: Der Killer meldet sich bei Sidney per Telefon und die Handlung nimmt endlich Fahrt auf. Ab diesem Zeitpunkt geht es Knall auf Fall und der maskierte Killer hinter der Ghostface-Maske zieht sein übliches Spielchen durch. Auffällig dabei ist, dass der Härtegrad trotz FSK ab 16 doch teilweise immens ist. Eigentlich war die Scream-Reihe nie wirklich für ihre brutalen Morde bekannt, viel mehr zeichnete sich das Franchise stets durch die homogene Zusammenarbeit der Hauptcharaktere sowie durch das Miträtseln rund um den maskierten Killer aus. In Scream 7 gibt es hingegen mindestens zwei Killszenen, die einfach eine Spur drüber sind – eine davon in einer Bar, die andere bereits direkt im Opening.
Scream 7 und das Aus für die Meta-Ebene
Ebenfalls auffällig: Bisher spielte in den Scream-FIlmen die Meta-Ebene eine immens wichtige Rolle. In Teil 1 erklärte Randy die Regeln, die man beachten muss, um in einem Horrorfilm zu überleben, später wurden daraus Regeln für ein Sequel, für eine Trilogie und für ein Requel. In Scream 7 kommt die Meta-Ebene hingegen gar nicht zum Einsatz, da Kevin Williamson stattdessen einen klassischen Film rund um das Privatleben von Sidney Prescott und ihrer Tochter erzählen möchte. Folglich nimmt sich Scream 7 nicht mehr selbst auf die Schippe und liefert dem Zuschauer stattdessen das ab, worüber sich die Scream-Reihe bisher stets lustig gemacht hat: einen geradlinigen Horrorfilm, der sich selbst viel zu ernst nimmt. Und der zudem einen der schlechtesten Soundtracks und definitiv den schlechtesten Credit-Abspann der gesamten Reihe hat – aber das nur nebenbei erwähnt.

Wäre dies das einzige Problem von Scream 7 hätten die Macher vermutlich dennoch einen netten Film zusammengebastelt, der zwar nicht an das Original herangekommen wäre, dafür aber dennoch zu unterhalten weiß. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Die schauspielerische Leistung nahezu sämtlicher Charaktere (inklusive Neve Campbell) bewegt sich auf Soap Opera Niveau, die involvierten Nebencharaktere haben abseits der Familiendramaturgie rund um Sidney keinerlei Chance auf eine verdiente Vorstellung oder gar eine echte Daseinsberechtigung und die erzählte Story beinhaltet einige heftige Logiklöcher. Von der finalen Auflösung möchte ich am besten gar nicht erst sprechen, denn nie zuvor war das Geheimnis des Mörders hinter der Maske derartig leicht zu entlarven. Und nicht nur das: Das Motiv für die Morde ist derartig unstimmig und belanglos, dass man sich im letzten Akt nur noch fragend an den Kopf fassen muss. Leider wirkt Scream 7 nur wie ein weiterer Aufguss einer finanziell immer noch sehr erfolgreichen Horrorreihe, den es aber ehrlich gesagt nicht gebraucht hätte. Man merkt dem Streifen in nahezu jeder Minute an, dass die Autoren selbst gar nicht genau wissen, welche Geschichte sie dem Zuschauer erzählen möchten – und warum diese Geschichte wirklich erzählt werden muss. Klar, nach sechs Vorgängern ist die Luft in Hinblick auf Innovationen irgendwann raus. Statt es dabei zu belassen, melkt man die Cash-Cow aber immer und immer weiter – Gerüchten zufolge ist sogar schon Teil 8 kurz vor dem Dreh.
Ohnehin stellt man sich nach dem Ansehen von Scream zwangsläufig die Frage, ob es wirklich so eine gute Idee war, die Jobs als Regisseur und Drehbuchautor an Kevin Williamson zu vergeben. Ja, der Mann brachte uns 1996 den ikonischen Original-Scream – und dafür bin ich ihm auch ewig dankbar. Doch mal abgesehen von den beiden unterschätzten Genre-Klassikern „The Faculty“ (1998) und „Tötet Mrs. Tingle“ (1999) hat er anschließend eigentlich keine weiteren nennenswerten Werke für die Nachwelt erschaffen. Vermutlich war der Scheck, dem man ihm für Scream 7 vor die Nase gehalten hat, einfach zu hoch beziffert. Oder er wollte durch seinen Platz auf dem Regiestuhl die Nachfolge des großartigen Wes Craven antreten – dafür sind dessen Schuhe allerdings gleich mehrere Nummern zu groß.
Achtung Spoiler: Die (verkorkste) Rückkehr von Stu Macher
War sonst noch was? Ach ja: Bereits Monate vor dem Start von Scream 7 wurde bekannt, dass Matthew Lillard wieder mit von der Partie sein und in seiner ikonischen Rolle als Stuart Macher zu sehen sein wird – einer der beiden Killer aus dem ersten Film. Lillard ist auch tatsächlich im Film am Start, allerdings nicht so, wie sich die Scream-Fans das erhofft haben werden. Seine Integration in die Geschichte ist ein weiterer Baustein, der seinen Platz in der „Unfreiwillig-komisch-Kiste“ einnimmt. Hier haben die Verantwortlichen eine wirklich hervorragende Chance verpasst, um seinem Charakter Tribut zu zollen.
Und noch schlimmer: Das gesamte Marketing für Scream 7, welches konsequent damit spielt, dass Stu den herabstürzenden Fernseher auf seinen Kopf im ersten Teil überlebt hat, ist ein einziger Schlag ins Gesicht für jeden Scream-Fan der ersten Stunde. Die gesamte Promotion für den Film war mit absichtlich gestreuten Falschinformationen lediglich darauf ausgelegt, einen ungerechtfertigten Hype für den Film zu entfachen, um möglichst viele zahlende Zuschauer vor die Kinoleinwände zu locken. Diesen bietet man mit Scream 7 jedoch keinen filmischen Hochgenuss, sondern vor allem eines: Einen zum Schreien schlechten Film, über den der „Master of Suspense“ Wes Craven nur müde den Kopf schütteln würde.
Meine Endnote: 1,5 von 5 Sternen


