
Die Schlacht um Warner Bros. Discovery ist entschieden. Nachdem das erhöhte Angebot von Paramount als „Company Superior Proposal“ eingestuft wurde, zieht sich Netflix offiziell zurück. Damit ist der Weg für Paramount frei – und die Machtverhältnisse in Hollywood könnten sich nachhaltig verschieben.
Paramount setzt sich gegen Netflix durch
Der Bieterstreit um Warner Bros. Discovery nahm in dieser Woche eine entscheidende Wendung. Das überarbeitete Angebot von Paramount wurde offiziell als überlegen eingestuft – obwohl der Kaufpreis lediglich um einen Dollar pro Aktie auf 31 Dollar angehoben wurde.
Damit begann eine viertägige Frist für Netflix, um nachzuziehen. Doch die Entscheidung fiel binnen Minuten: Netflix steigt aus.
In einem Statement betonten die Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters: „Die von uns ausgehandelte Transaktion hätte einen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen und einen klaren Weg zur behördlichen Genehmigung geboten. Wir haben uns jedoch stets diszipliniert verhalten, und zu dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, sodass wir davon absehen.“
Weiter heißt es: „Wir sind überzeugt, dass wir die ikonischen Marken von Warner Bros. gut geführt hätten und dass unser Deal die Unterhaltungsindustrie gestärkt und mehr Arbeitsplätze in der Produktion in den USA erhalten und geschaffen hätte. Aber diese Transaktion war immer ein ‚Nice-to-have‘ zum richtigen Preis, kein ‚Must-have‘ um jeden Preis. Das Geschäft von Netflix ist gesund, stark und wächst organisch, angetrieben von unserem Programm und unserem erstklassigen Streaming-Service.“
Milliardenrisiken für Paramount
Obwohl Paramount den Preis pro Aktie nur minimal angehoben hat, dürfte die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery deutlich teurer werden als ursprünglich vorgesehen.
Sollte Warner Bros. Discovery den bestehenden Vertrag mit Netflix aufkündigen, wird eine Vertragsstrafe in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar fällig. Paramount hat jedoch bereits zugesagt, diese Summe vollständig zu übernehmen, sodass sich die finanzielle Belastung unmittelbar erhöht.
Darüber hinaus drohen weitere Kosten. Ab dem 30. September 2026 greift eine sogenannte „Ticking Fee“, die für jeden Tag anfällt, an dem der Deal noch nicht abgeschlossen ist. Diese Gebühr beträgt 25 Cent pro Aktie und Quartal. Sollte die Übernahme zudem an regulatorischen Hürden scheitern, würden weitere 7 Milliarden Dollar fällig.
Damit geht Paramount ein erhebliches finanzielles Risiko ein, gleichzeitig unterstreicht der Konzern jedoch seinen klaren strategischen Willen, sich die Marken und Inhalte von Warner Bros. Discovery langfristig zu sichern.
Regulatorische Hürden bleiben Streitpunkt
Während Warner Bros. Discovery bislang größere kartellrechtliche Risiken beim Paramount-Deal sah, argumentiert Paramount genau andersherum. Man verweist darauf, dass Netflix als global dominierender Streaminganbieter womöglich stärkeren regulatorischen Widerstand erfahren hätte.
Ob die Übernahme reibungslos genehmigt wird, bleibt daher offen. Dennoch spricht vieles dafür, dass David Ellison und sein Umfeld ihr Ziel nun erreichen.
Was bedeutet das für den Streamingmarkt?
Mit dem Rückzug von Netflix endet einer der spannendsten Bieterwettkämpfe der vergangenen Jahre. Für Netflix ändert sich strategisch wenig – das Unternehmen setzt weiterhin auf Eigenproduktionen und internationales Wachstum.
Paramount hingegen könnte mit WBD sein Portfolio massiv erweitern. Sollte der Deal final genehmigt werden, entstünde ein noch schlagkräftigerer Medienkonzern mit enormer Marktmacht im Film-, Serien- und Streaminggeschäft.
Die Entscheidung markiert damit einen Wendepunkt – und die Schlacht um Warner Bros. Discovery dürfte noch lange nachwirken.


