
Unser Autor M’chen hat sich für euch die Nacht um die Ohren geschlagen und die diesjährige Oscarverleihung verfolgt. Wer sich über einen Goldjungen freuen durfte und welche Highlights es sonst noch gab, verrät er euch in seinem Rückblick.
Noch vor der eigentlichen Gala: Steven Gätjen kämpft auf dem roten Teppich
Wer die Oscars aus Deutschland verfolgen wollte, konnte dies live bei ProSieben tun. Noch vor der eigentlichen Gala meldet sich für gewöhnlich Steven Gätjen vom roten Teppich, um die dort anwesenden Prominenten zu interviewen. In diesem Jahr musste man sich als Zuschauer allerdings die Frage stellen, wie viel Lust ProSieben überhaupt noch auf die Oscarverleihung hat. Durfte Gätjen in den vorherigen Jahren stets gegen halb elf ran, schaltete man in diesem Jahr erst um 23:30 live zu ihm, sodass er gerade einmal eine halbe Stunde auf Sendung war. Was viele gar nicht wussten: Er war zuvor bereits live beim Streamingdienst Joyn on air, ehe man um halb zwölf dann endlich auch die linearen Fernsehzuschauer an seiner Berichterstattung teilnehmen ließ. Viel zu sehen gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr: Ein Star nach dem anderen rauschte an Gätjens Mikrofon vorbei, lediglich die an diesem Abend völlig unwichtige Melissa McCarthy machte dann aus Mitleid doch noch bei ihm halt. Später gesellte sich noch US-Talker Jimmy Kimmel hinzu, der jedoch sichtbar keine Lust auf Smalltalk hatte.
Als Zuschauer tat einem Steven Gätjen zu diesem Zeitpunkt nur noch leid: Der Moderator überbrückte die Zeit sogar mit einem Blick auf die kommende Memorial-Zeremonie der Oscars, also den Blick auf verstorbene Persönlichkeiten des vergangenen Jahres. Glücklicherweise gab es innerhalb der 30 Minuten Sendezeit für Gätjen sogar noch eine Werbeunterbrechung, die der Moderator dankend angenommen hat. Ganz ehrlich ProSieben: Wenn ihr keine Lust auf die Oscars habt, dann gebt die Übertragungsrechte doch einfach an einen anderen Sender ab.
Oscars 2026: Conan O’Briens Gags zündeten nicht bei allen Zuschauern
Pünktlich um Mitternacht deutscher Zeit startete die diesjährige Oscarverleihung. Dankenswerterweise deutlich früher als in den vergangenen Jahren, wo deutsche Zuschauer aufgrund der Zeitverschiebung zu den USA teilweise bis 02:00 Uhr morgens durchhalten mussten, ehe die Show endlich anfing. Moderator Conan O’Brien lieferte mal wieder ein Opening ab, das man von ihm gewohnt ist: Als schrille Hexe aus dem Film „Weapons“ geschminkt und maskiert wurde er von einer Schar Kinder durch verschiedenste nominierte Blockbuster gejagt, ehe er endlich im Dolby Theatre ankam. Zugegeben: Die Idee war ganz nett, sie passte jedoch eher in Conans ehemalige Late Night Show als zu den Oscars. Bevor die eigentliche Preisverleihung startete, setzte O’Brien erst einmal zu einem fast 20-minütigen Prolog an, in dem so ziemlich jeder sein Fett wegbekam – allen voran der als Bester Hauptdarsteller nominierte Timothee Chalamet, der sich zuvor abwertend über die Oper äußerste und sich dafür den ganzen Abend über Sticheleien des Moderators gefallen lassen musste.
Recht überraschend: An einer Stelle von Conans Stand Up gab es kurz Buhrufe aus dem Publikum zu hören, die der Late Night Talker jedoch gekonnt herunterspielte. Zeitgleich zeigte sich aber auch das Internet nicht sonderlich begeistert über den recht eigensinnigen Humor des Moderators. Dass ausgerechnet Conans Oscar-Vorgänger Jimmy Kimmel beim Betreten der Bühne als Laudator donnernden Applaus erntete, darf daher als nette Randnotiz betrachtet werden. Insgesamt machte Conan O’Brien aber einen durchaus guten Job – da gab es in der Vergangenheit schon deutlich schlechtere Moderatoren.

Kein Rekord für „Sinners“, „One Battle After Another“ ist bester Film
Mit 16 Nominierungen ist der Vampir-Horrorfilm „Sinners“ in diesem Jahr an den Start gegangen – so viele Nominierungen gab es in den Jahren zuvor noch nie für einen anderen Film. Am Ende konnte der überwiegend mit schwarzen Schauspielern besetzte Film jedoch gerade einmal 4 Preise mit nach Hause nehmen – unter anderem für Michael B. Jordan als Bester Hauptdarsteller. Den Preis für den Besten Film des Jahres sicherte sich hingegen der Actionstreifen „One Battle After Another“ mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle – auch wenn Leo selbst an diesem Abend leer ausging. Bei den restlichen Gewinnern gab es kaum echte Überraschungen zu vermelden, nahezu alle davon habe ich bereits in meiner Oscar-Prognose richtig vorhergesagt. Sehr gefreut habe ich mich allerdings über den Oscar für Amy Madigon: Die mittlerweile 75-jährige Schauspielerin sicherte sich den Preis für ihre hervorragende Darbietung im Horrorfilm „Weapons“. Auch hier sieht man mal wieder, wie vielseitig die Oscars mittlerweile aufgestellt sind: Vor einigen Jahren hätte ein Horrorfilm nicht einmal ansatzweise die Chance auf eine Auszeichnung gehabt.
Eine kleine Überraschung gab es dann aber doch noch: In der Kategorie Bester Kurzfilm gab es ein Unentschieden zwischen den Filmen „The Singers“ und „Two People Exchanging Salvia“ zu vermelden – dies geschah in der 98-jährigen Geschichte der Oscars zuvor erst 6 Mal. Für ein Ärgernis sorgte hingegen Schauspieler Sean Penn: Er gewann den Oscar als Bester Nebendarsteller für seine Darbietung in „One Battle After Another“, bliebt der Preisverleihung jedoch bewusst fern. Gebrochen zu sein scheint hingegen der Netflix-Bann seitens der Oscar Academy: „KPop Demon Hunters“ sicherte den Preis als Bester Animationsfilm und wies damit den Disney-Streifen „Zoomania 2“ in die Schranken – und on top gab es für den südkoreanischen Erfolgshit sogar noch einen weiteren Oscar für den Besten Filmsong „Golden“, der in allen Ländern der Erde die Charts dominierte. Komplett neu war in diesem Jahr die Kategorie „Bestes Casting“, bei der sich letztendlich „One Battle After Another“ durchsetzen könnte. Warum es diese völlig schwachsinnige Kategorie jedoch überhaupt braucht, erschließt sich mir nicht wirklich – da wäre eine längst überfällige Auszeichnung für die besten Stuntmen doch wohl deutlich verdienter.
Der große Verlierer des Abends war übrigens „Marty Supreme“: Das Tischtennis-Drama mit Timothee Chalamet war ganze 9 Mal für einen Oscar nominiert, ging an diesem Abend jedoch komplett leer aus – das muss man auch erstmal schaffen.
Fazit: Im Großen und Ganzen waren die Oscars 2026 ganz nett, wirkliche Überraschungen oder gar Skandale blieben jedoch aus. Da wünscht man sich doch glatt einen Will Smith zurück, der ein paar heftige Ohrfeigen auf der Bühne verteilt.
Abschließend haben wir hier noch alle Oscar Gewinner 2026 für euch in der Übersicht zusammengestellt:
Bester Film: One Battle After Another
Beste Regie: Paul Thomas Anderson für „One Battle After Another“
Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley für „Hamnet“
Bester Hauptdarsteller: Michael B. Jordan für „Sinners“
Beste Nebendarstellerin: Amy Madigan für „Weapons“
Bester Nebendarsteller: Sean Penn für „One Battle After Another“
Bester internationaler Film: Sentimental Value
Beste Kamera: Sinners
Bestes Drehbuch: Sinners
Bestes adaptiertes Drehbuch: One Battle After Another
Bester Schnitt: One Battle After Another
Bester Animationsfilm: KPop Demon Hunters
Bester Animations-Kurzfilm: The Girl Who Cried Pearls
Beste Filmmusik: Sinners
Bester Filmsong: „Golden“ aus „KPop Demon Hunters“
Bestes Produktionsdesign: Frankenstein
Bester Ton: F1
Beste visuelle Effekte: Avatar: Fire and Ash
Bester Dokumentarfilm: Ein Nobody gegen Putin.
Bester Dokumentar-Kurzfilm: All die leeren Zimmer
Bestes Make-up/Hairstyling: Frankenstein
Bestes Casting: One Battle After Another
Bestes Kostümdesign: Frankenstein
Bester Kurzfilm: The Singers und Two People Exchanging Saliva


