
Fernsehen über Kabel, Satellit, Antenne und Internet könnte künftig deutlich stärker zusammenwachsen. Mit DVB-I steht in Deutschland ein neuer TV-Standard vor dem Marktstart, der klassische Fernsehsender und über das Internet verbreitete Programme in einer gemeinsamen Senderliste zusammenführen soll. Ursprünglich war die Einführung bereits für September 2026 vorgesehen. Nun soll DVB-I noch vor Ende des Jahres starten.
DVB-I soll noch 2026 in Deutschland starten
Eigentlich sollte der Marktstart von DVB-I in Deutschland bereits im September und damit rund um die IFA erfolgen. Dieser Zeitplan konnte offenbar nicht eingehalten werden. Nach aktuellen Informationen soll die Einführung nun jedoch weiterhin noch im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Über den aktuellen Stand informierte Frank Heineberg von RTL Deutschland beim 29. Breitbandkongress des Fachverbands Rundfunk- und Breitband-Kommunikation (FRK) in Leipzig. Heineberg leitet bei der Deutschen TV-Plattform die Arbeitsgruppe „Media over IP“ und die dazugehörige DVB-I-Taskforce.
Deutschland gehört bei der Entwicklung und Vorbereitung des neuen Standards international zu den fortgeschrittenen Märkten. An der Einführung arbeiten unter anderem öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender, Gerätehersteller, Plattformbetreiber, Verbände und Regulierungsbehörden zusammen.
Was ist DVB-I eigentlich?
DVB-I steht vereinfacht gesagt für Fernsehen über das Internet auf Basis eines offenen Standards. Der entscheidende Unterschied zu vielen heutigen Streaming-Angeboten: Zuschauer sollen nicht für jeden Anbieter eine eigene App öffnen müssen. Stattdessen können klassische TV-Sender und reine Internetprogramme direkt in einer gemeinsamen Senderliste des Fernsehers auftauchen.
DVB-I soll dabei die bereits vorhandenen Empfangswege nicht ersetzen. Programme über Satellit, Kabel oder DVB-T2 können weiterhin wie gewohnt empfangen werden. Zusätzlich lassen sich Sender und Angebote einbinden, die ausschließlich über eine Internetverbindung übertragen werden. Für Zuschauer könnte dadurch eine Senderliste entstehen, in der kaum noch sichtbar ist, auf welchem technischen Weg ein Programm tatsächlich auf den Fernseher gelangt.
Kabel, Satellit und Internet landen in einer Senderliste
Gerade dieser Ansatz gehört zu den größten Vorteilen von DVB-I. Ein kompatibler Smart-TV oder eine entsprechende Set-Top-Box könnte beispielsweise klassische Satellitensender zusammen mit zusätzlichen Internetkanälen anzeigen. Der Zuschauer wählt anschließend einfach das gewünschte Programm aus. Ob dieses über DVB-S, DVB-C, DVB-T2 oder über die Internetverbindung übertragen wird, spielt bei der Bedienung im Idealfall keine Rolle mehr.
Damit könnte sich auch das bisher teilweise recht unübersichtliche Nebeneinander aus klassischem Fernsehen, Smart-TV-Oberflächen und verschiedenen Streaming-Apps verändern.
DVB-I verbindet dabei Broadcast und IP-Streaming, ohne die bekannten Empfangswege abzuschaffen.
Auch RTL+ und Joyn könnten eingebunden werden
Interessant wird DVB-I zudem für Streamingplattformen. Angebote wie RTL+ oder Joyn könnten grundsätzlich ebenfalls in die DVB-I-Senderlisten eingebunden werden.Bei kostenpflichtigen Angeboten sollen vorhandene Kundenkonten genutzt werden können. Zuschauer müssten damit nicht zwangsläufig auf eine separate App wechseln, um einen entsprechenden linearen Kanal aufzurufen.
Wie umfangreich Streamingdienste ihre Inhalte tatsächlich über DVB-I anbieten werden, hängt allerdings von den jeweiligen Plattformen und Geschäftsmodellen ab.
Öffentlich-rechtliche Programme sollen weiterhin frei zugänglich bleiben. Bei privaten oder kostenpflichtigen Angeboten könnten dagegen Abonnements oder andere Zugangsvoraussetzungen notwendig sein. Zusätzlich unterstützt DVB-I interaktive Funktionen über den bereits weit verbreiteten HbbTV-Standard.
Erste Fernseher mit DVB-I sollen zum Marktstart erscheinen
Passend zur Einführung sollen auch erste Geräte mit DVB-I-Unterstützung auf den deutschen Markt kommen. Welche Fernseher und Hersteller zum Start tatsächlich dabei sein werden, wurde bislang allerdings noch nicht konkret bekannt gegeben. Interessant ist außerdem die Möglichkeit, dass bereits erhältliche Modellreihen nachträglich kompatibel werden könnten. Bei geeigneten Geräten wäre eine Aktivierung von DVB-I möglicherweise über ein Software-Update denkbar.
Ob und welche bereits verkauften Smart-TVs ein entsprechendes Update erhalten, dürfte allerdings vom jeweiligen Hersteller und der verbauten Hardware abhängen.
Wer aktuell einen neuen Fernseher kaufen möchte, sollte daher nicht automatisch davon ausgehen, dass jedes aktuelle Smart-TV-Modell später DVB-I unterstützt.
Technische Grundlagen für DVB-I stehen bereits
In den vergangenen Monaten wurden wichtige Voraussetzungen für die Einführung geschaffen. Die Deutsche TV-Plattform veröffentlichte im März 2026 ein eigenes DVB-I Implementation Profile für Deutschland. Darin werden unter anderem technische Vorgaben für DVB-I und HbbTV, Empfangstechnologien, Metadaten, regionale Senderlisten, sogenannte Pop-up-Kanäle und Barrierefreiheitsfunktionen beschrieben. Gerätehersteller erhalten damit eine gemeinsame technische Grundlage, um kompatible Empfänger für den deutschen Markt zu entwickeln und zu testen.
Ende Mai folgte mit dem DVB-I Book Germany ein weiterer wichtiger Schritt. Darin wurden technische, regulatorische und organisatorische Rahmenbedingungen für die Einführung festgelegt.
Ziel ist ein möglichst einheitliches System, an dem sich sowohl Inhalteanbieter als auch Hersteller unter offenen und diskriminierungsfreien Bedingungen beteiligen können.
Eine Herausforderung bleibt das Internet
So praktisch das Konzept klingt, DVB-I bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Je stärker lineares Fernsehen über IP übertragen wird, desto größer wird die benötigte Netzkapazität.
Besonders bei großen Live-Ereignissen könnte das relevant werden. Wenn beispielsweise Millionen Zuschauer gleichzeitig ein Fußball-WM-Finale über das Internet verfolgen, müssen die Netze diese enorme Datenmenge zuverlässig bewältigen können.
Klassische Broadcast-Verfahren haben hier einen grundsätzlichen Vorteil: Ein TV-Signal wird einmal ausgestrahlt und kann von sehr vielen Zuschauern gleichzeitig empfangen werden. Beim klassischen Internetstreaming entstehen dagegen je nach Technik zahlreiche einzelne Datenverbindungen.
Genau deshalb dürfte DVB-I klassische Übertragungswege zunächst eher ergänzen als vollständig verdrängen.
DVB-I könnte das Fernsehen deutlich einfacher machen
Für Zuschauer liegt der größte Vorteil von DVB-I weniger in einer völlig neuen Art des Fernsehens als in einer einfacheren Bedienung. Statt zwischen TV-Senderliste, verschiedenen Apps und unterschiedlichen Streaming-Oberflächen wechseln zu müssen, könnten deutlich mehr Angebote direkt über die gewohnte Programmübersicht erreichbar werden.
Ob DVB-I diese Erwartungen erfüllt, hängt allerdings davon ab, wie viele Sender, Streaminganbieter und Gerätehersteller den Standard tatsächlich unterstützen.
Mit dem geplanten Marktstart noch 2026 dürfte sich schon bald zeigen, welche Fernseher kompatibel sind und welche Programme zum deutschen DVB-I-Angebot gehören werden.
*Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft.
Quelle: teltarif.de, Broadband TV News
