The Boys: Unsere Kritik zum großen Finale

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© Prime Video
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Die Anti-Superhelden-Serie „The Boys“ ist beendet das große Finale ist ab sofort bei Amazon Prime Video verfügbar. Aber hat die Serie auch wirklich einen würdigen Abschluss erhalten? Unser Autor M’chen ist da klarer Meinung.

The Boys Finale: Noch schlechter als „Game of Thrones“?

Es ist kaum zu glauben, aber die Anti-Superhelden-Serie „The Boys“ startete bereits vor 7 Jahren beim Streamingdienst Prime Video von Amazon. 5 Staffeln später flimmerte nun das große Finale über die Bildschirme und viele Fans stellten sich bereits zu Beginn der letzten Staffel die Frage, ob die Serie einen würdigen Abschluss erhalten wird. Die Frage ist absolut berechtigt, denn während der Staffelstart noch durchaus zu beeindrucken wusste, sank die Qualität bei den darauffolgenden Episoden immer ein Stückchen tiefer – Episode 7 sicherte sich mit einem Rating von nur 6.2 Sternen bei IMDB sogar den bis dato schlechtesten Wert der kompletten Serie. Aber konnte wenigstens die Finale Episode mit dem Titel „Blood and Bone“ überzeugen? Um es direkt vorweg zu nehmen: Das aktuelle IMDB Rating fällt mit einem Wert von 6.6 Sternen nur unwesentlich besser aus. Einige Fans der Serie sprechen sogar von einem noch schlechteren Serienfinale als dem von „Game of Thrones“ – und das will durchaus was heißen.

Ernüchternde Handlungen und sehr viel Gerede

Ich startete jedenfalls mit großen Erwartungen in die 5. und letzte Staffel, denn alles läuft darauf hinaus, dass die fiesen Supes und ihr Ober-Guru Homelander endlich das bekommen, was sie verdienen. Was dann aber folgte, war eine Vielzahl von Episoden, die man durchaus als „Lückenfüller“ bezeichnen kann. Statt die Handlung voranzubringen, wurde teilweise derartig viel geredet, dass man fast schon in Versuchung geriet, einfach mal ein paar Minuten nach vorne zu spulen. Ein Sinnbild für diese Lückenfüller war sicherlich Episode 5.3: Während rund um die Boys die Welt nahezu am Abgrund steht, widmet sich die Serie ausführlich dem Hund von Billy Butcher, der sich von Frenchies Schokoladenkuchen übergeben muss. Zwischendurch begibt sich die Gruppe über mehrere Episoden hinweg auf die Suche nach einem synthetischen Superhelden-Virus , welches in der Lage ist, Homelander und alle anderen Supes zu töten – nur um später festzustellen, dass Homelander wohl doch immun gegen besagtes Virus ist. Mindestens ebenso frustrierend ist das Comeback des bereits tot geglaubten Soldier Boy, der zwischenzeitlich von Homelander auf Eis gelegt wurde und nun wieder mitmischt. Wer dachte, dass er die Storyline vorantreiben wird, irrte sich leider gewaltig: Bis auf ein paar schweinische Sprüche hatte der übermächtige Supe kaum etwas zu bieten.

Selbiges trifft leider auch schon seit einiger Zeit auf Homelander zu. Bekam man als Zuschauer insbesondere in Staffel 1 und 2 noch Gänsehaut, wenn er lediglich den Raum betrat, kommt seine bedrohliche Art in Staffel 5 kaum noch zum Vorschein. Hin und wieder sorgt er zwar für den ein oder anderen brutalen Kill, seit Staffel 4 agiert er aber im Grunde nur noch auf Abruf. Zwischenzeitlich jammert er umher und wird von verschiedensten Charakteren (darunter seinem eigenen Sohn) als jämmerliches Wesen bezeichnet. In Staffel 5 verliert er sogar völlig den Verstand und möchte sich als neuer Gott etablieren, dem die gesamte Menschheit zu Füßen liegen soll. Eigentlich ein spannender Ansatz, der jedoch ebenfalls nicht konsequent zu Ende verfolgt wird. Wie konnte die einst so geniale Serie nur derartig an Erzählqualität einbüßen? Und so kommt es wie es kommen musste: Bis Episode 7 hatte man als Zuschauer nicht den Eindruck, dass alles auf ein imposantes Serienfinale hinsteuert, in dem es offenbar zum großen Massensterben aller noch lebenden Supes kommen wird.

Die finale Schlacht, die keine ist – Achtung, Spoiler

Kaum zu glauben, aber selbst die finale Episode startete mit derartig viel Gelaber, dass man nur noch fassungslos vor dem TV sitzen konnte. Irgendwann in der Mitte nahm die Erzählung dann aber endlich Fahrt auf und es kommt zum lang ersehnten Showdown zwischen Billy Butcher, Homelander und ein paar weiteren Personen – ich möchte an dieser Stelle mal nicht zu viel spoilern. Die gute Nachricht: Ja, es gibt einen brutalen Kampf zwischen den Protagonisten. Die schlechte Nachricht: Der Kampf kann nicht einmal ansatzweise an die epische Schlacht in der Kult-Episode „Herogasm“ heran, die bei IMDB nicht umsonst als die beste der kompletten Serie bewertet wurde. Die Auflösung, unter welchen Umständen Homelander letztendlich das Zeitliche segnet, sind extrem unspektakulär und zudem bekommen wir es kurz vor seinem Tod mit einem weinerlichen und um sein Leben zitternden Superhelden zu tun, bei dem man am liebsten nur noch wegschauen möchte – für mich war dies einer der erbärmlichsten Momente der gesamten Serie. Klar, letztendlich möchten die Serienmacher zeigen, dass sich hinter Homelanders Fassade lediglich ein einfacher Kerl mit Sorgen und Ängsten versteckt. Die Umsetzung dessen war seiner Figur aber keinesfalls würdig und zerstört seinen zuvor über 5 Staffeln aufgebauten Ruf innerhalb von wenigen Sekunden komplett.

Abgesehen von dem Endkampf hatte das Finale von „The Boys“ eigentlich kaum weitere Momente, an die man sich nachhaltig erinnern würde. Nachdem die Macher insbesondere in der letzten Staffel stark von der eigentlichen Comicvorlage abgewichen sind, hatte man als Zuschauer häufig den Eindruck, dass die Autoren einfach keine Ideen mehr haben, um dem bisher Gezeigten noch einen draufzusetzen. Als Fan der ersten Stunde war der große Abschluss für mich jedenfalls eine echte Enttäuschung. Ob dies gute Werbung für die kommenden Spin-offs „Vought Rising“ und „The Boys: Mexiko“ war, darf zudem stark bezweifelt werden.

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