
Der Streamingdienst Amazon Prime Video hat eine neue Eigenproduktion namens „Spider-Noir“ am Start, in der Nicolas Cage in die Rolle des Superhelden Spider-Man schlüpft. Lohnt sich das Einschalten? Unser Autor M’chen hat sich die Serie angeschaut und verrät es euch.
Spider-Man mal ganz anders
Schon seit mehr als einem halben Jahrhundert schwingt sich Spider-Man durch etliche Spielfilme und Comicserien. Doch wenn ihr denkt, dass diese Story langsam auserzählt ist, beweist euch Amazon Prime Video gerade das Gegenteil. In der neuen Serie „Spider-Noir“ schlüpft niemand Geringerer als Hollywood-Star Nicolas Cage in die Rolle des Spinnenmanns – und das mit 62 Jahren. Demzufolge kann man sich bereits ausmalen, dass die Serie ein wenig anders als die klassischen Spider-Man Abenteuer daherkommt, in denen allesamt Jugendliche das markante rote Kostüm überziehen. Dass die neue Serie dennoch funktioniert – und das sogar mehr als gut – liegt in erster Linie an der Tatsache, dass sie im frühen New York der 1930er Jahre spielt. Somit handelt es sich um die erste Version von Spider-Man überhaupt, die mit dem heutigen Look des schwingenden Rächers kaum etwas gemeinsam hat. Schlecht ist dies jedoch keinesfalls, denn das neue Kostüm bringt seinen ganz eigenen Charme mit. Ebenso wie Nicolas Cage selbst, der in der Serie den Privatdetektiv Ben Reilly verkörpert, welcher früher mal als „Die Spinne“ auf Verbrecherjagd ging, sein Kostüm aber mittlerweile an den Nagel gehängt hat. Als sich die Dinge jedoch eines Tages brutal überschlagen, sieht er sich gezwungen, seinem ehemaligen Alter Ego wieder zu neuem Glanz zu verhelfen.
Eine der besten Marvel-Serien der letzten Jahre
Falls ihr zu den Menschen gehört, denen das Marvel-Genre in den vergangenen Jahren viel zu undurchschaubar wurde, da es mittlerweile etliche Universen und Zeitzonen gibt, wird euch „Spider-Noir“ bestimmt gefallen. Für den Genuss der Serie ist nahezu keinerlei Vorwissen erforderlich, um auf seine Kosten zu kommen. Klar, mit Spider-Man selbst solltet ihr ein wenig vertraut sein, da es jedoch keinerlei Zeitzonen zu beachten gibt, ist es völlig ausreichend, wenn ihr damals nach Tobey Maguires Darbietung des Spinnenmanns ausgestiegen seid. Während Episode 1 von „Spider-Noir“ noch etwas schwer in Fahrt kommt, ist der Knoten spätestens ab Episode 2 gebrochen – und danach erwartet euch ein Feuerwerk aus packenden Actionszenen, coolen Wortwitzen und einer geballten Ladung Nicolas Cage, wie man ihn eben so kennt. Wenngleich die CGI-Effekte in verschiedensten Szenen doch etwas zu stark ins Auge fallen, da sie teilweise einfach nicht allzu überzeugend sind, fühlt man sich als Zuschauer optimal unterhalten – und das ist ja letztendlich die Hauptsache. Allein die Tatsache, dass Nicolas Cage hier einen leicht abgehalfterten Spider-Man verkörpert, der sich in einem vergleichsweise altmodischen Spinnenkostüm ohne imposanten High-Techn-Schnickschnack durch die Stadt schwingt, dürfte den ein oder anderen Liebhaber der alten Schule in seinen Bann ziehen. Und nebenbei wissen auch nahezu alle Handlungsorte durch ihre bildgewaltige Darstellung zu überzeugen.
Schwarz-Weiß oder farbig?
Apropos bildgewaltige Darstellung. Ein besonderes Highlight von „Spider-Noir“ ist die Tatsache, dass die Serie sowohl in einer Schwarz-Weiß-Fassung als auch in einer colorierten Fassung verfügbar ist. Ursprünglich sollte die Serie ausschließlich in Schwarz-Weiß gedreht werden, doch glücklicherweise haben sich die Macher kurzfristig doch noch umentschieden. Die Schwarz-Weiß-Version orientiert sich natürlich ganz klar an den früheren Film-Noir Produktionen und bringen somit einen ganz eigenen Look mit sich, der unweigerlich an Frank Millers „Sin City“ erinnert. Als Zuschauer kann man sich bei dieser Version perfekt in das Geschehen auf dem Bildschirm hineinversetzen, da sie einfach in die Zeit der Erzählung passt und zudem in großartige Bilder verpackt ist. Dunkle Gassen, lang gezogene Schatten, überzeugende Kontraste und besonders gut zur Geltung kommende Gesichtszüge sorgen dafür, dass sich die erzählte Geschichte optimal entfalten kann und einen gewollt düsteren Look ausstrahlt. Doch auch die alternative Farbversion hat ihre Daseinsberechtigung: In zahlreichen Szenen wirken die verwendeten Farben derartig leuchtend, dass es einfach nur Spaß macht, einen Abstecher in das frühe New York zu unternehmen. Falls ihr euch nicht entscheiden könnt, welche Version ihr euch anschauen solltet, erweist sich eine gute Mischung als empfehlenswert: Bei den ersten drei Episoden ist ganz klar die Schwarz-Weiß-Fassung zu bevorzugen, ebenso wie in Episode 6, in der die Vergangenheit von Ben Reilly stark im Mittelpunkt steht. Die anderen Episoden machen in Farbe einen mindestens ebenso starken Eindruck – und bei Bedarf könnt ihr selbst während einer laufenden Folge zwischen beiden Varianten hin- und herwechseln.
Fazit:
Spider-Noir ist meiner Meinung nach eine der besten Marvel-Produktionen der letzten Jahre. Zu verdanken ist dies vor allem der schauspielerischen Leistung von Nicolas Cage, dem man seine Spielfreude in nahezu jedem Moment ansehen kann.
Selbst Zuschauer, die nichts mit den modernen Marvel-Filmen am Hut haben, dürften sich hier gut unterhalten fühlen. Von mir gibt es definitiv eine ganz klare Einschalt-Empfehlung.

